Am Mittwoch, dem 21. Oktober, legte eine größere Störung das Mobilfunknetz von Orange und Sosh für Millionen von Kunden mehrere Stunden lang lahm. Anrufe, SMS und mobile Daten waren im gesamten französischen Staatsgebiet beeinträchtigt. Am folgenden Tag teilte Orange mit, dass die Störung auf ein Gerät in seinem neuen Kernnetz zurückzuführen sei, und schloss einen Cyberangriff sowie einen Zusammenhang mit einer PHP-Sicherheitslücke aus.
Großflächige Unterbrechung der Mobilfunkdienste
Die ersten Meldungen gingen gegen 11:20 Uhr ein. Kunden berichteten auf Plattformen zur Störungsverfolgung und in sozialen Netzwerken von Problemen. Für viele Kunden war es nicht mehr möglich, mit dem Telefon Anrufe zu tätigen, SMS zu versenden oder über das Mobilfunknetz auf das Internet zuzugreifen.
Orange bestätigte die Störung umgehend und teilte mit, an der Wiederherstellung des Dienstes zu arbeiten. Betroffen war das Mobilfunknetz des Anbieters in ganz Frankreich. Auch Sosh, das dieselbe Infrastruktur nutzt, war betroffen.
Die Störung dauerte fast zehn Stunden, vom späten Vormittag bis zum frühen Abend. Potenziell waren rund 21 Millionen Mobilfunkkunden von Orange und Sosh im Land betroffen, auch wenn nicht unbedingt alle zur selben Zeit mit denselben Problemen konfrontiert waren.
Beeinträchtigung der Kommunikation und alltäglicher Nutzungen
Der Netzausfall hinderte betroffene Kunden daran, ihre Angehörigen zu erreichen, Messenger-Apps zu nutzen oder ohne WLAN-Verbindung im Internet zu surfen. Die Nichtverfügbarkeit von Anrufen konnte auch die Kontaktaufnahme mit bestimmten Diensten erschweren, insbesondere in Notfällen.
Die Probleme betrafen den Zugang zum Mobilfunknetz und nicht nur die Datendienste. Je nach Fall konnten Kunden daher weder telefonieren noch Nachrichten versenden und verloren zusätzlich ihre mobile Internetverbindung. Geräte, die das Orange-Netz nutzen, waren somit gleichermaßen von Störungen betroffen, unabhängig davon, ob es sich um ein Orange-Telefon oder einen Sosh-Anschluss handelte.
Die genannte Ursache: ein Gerät im neuen Kernnetz
In einer am 22. Oktober um 11:52 Uhr veröffentlichten Aktualisierung erklärte Orange, dass die Störung ein Gerät in seinem neuen Kernnetz betroffen habe. Der Anbieter präzisierte, dass das Problem einen Teil seiner Kunden auf französischem Staatsgebiet beeinträchtigt habe.
Das Kernnetz ist ein zentraler Bestandteil der Mobilfunkinfrastruktur. Es trägt unter anderem dazu bei, die Verbindung von Telefonen mit dem Netz und die Sitzungen der Kunden zu verwalten. Ein Ausfall auf dieser Ebene kann Kunden daher den Zugang zu Mobilfunkdiensten verwehren, selbst wenn ihr Telefon normal funktioniert.
Vor dieser Bestätigung war als erste Erklärung der Ausbau eines neuen Kernnetzes im Zusammenhang mit eigenständigem 5G, auch 5G SA genannt, angeführt worden. Orange vermarktet diese Technologie unter dem Namen 5G+. Dieser Hypothese zufolge könnte die Migration bestimmter Anschlüsse zu Problemen bei der Authentifizierung und der Verbindungsverwaltung geführt haben. Orange bestätigte, dass ein Gerät seines neuen Kernnetzes beteiligt war, legte jedoch nicht alle technischen Schritte, die zur Störung geführt hatten, öffentlich im Detail dar.
Warum Kunden den Zugang zu 4G und 5G verloren
Ersten Informationen zufolge wurden bestimmte Kundensitzungen während eines Migrationsvorgangs fehlerhaft verwaltet. Anschlüsse, die auf das neue Gerät umgestellt wurden, könnten dadurch Authentifizierungsprobleme bekommen haben, sodass ihnen der Zugang zu Mobilfunkdiensten, insbesondere über 4G oder 5G, verwehrt blieb.
Die Wiederherstellung soll mehrere Stunden Arbeit erfordert haben. Die betroffenen Anschlüsse sollen schrittweise neu synchronisiert worden sein, zunächst einzeln und anschließend in Gruppen. Diese stufenweise Wiederherstellung erklärt, warum die Kunden nicht alle zur selben Zeit wieder Netzempfang hatten.
Während der Störung wurde eine Ausweichlösung gemeldet: Einige Kunden konnten wieder eine Verbindung herstellen, indem sie ihr Telefon zwangen, 3G statt 4G oder 5G zu nutzen. Diese Möglichkeit hing jedoch von der jeweiligen Situation des Kunden ab und ersetzte keine vollständige Wiederherstellung des Netzes.
Eine Störung, die weder mit einem Cyberangriff noch mit PHP-Sicherheitslücken zusammenhing
Orange schloss die Möglichkeit eines Cyberangriffs aus. Der Anbieter teilte außerdem mit, dass die Störung nicht mit den kürzlich entdeckten PHP-Sicherheitslücken zusammenhing. Die Maßnahmen zur Behebung dieser Schwachstellen, darunter die vorübergehende Sperrung des Zugangs zu bestimmten Websites oder Anwendungen, standen in keinem Zusammenhang mit der Mobilfunknetzstörung.
Auch im Zusammenhang mit anderen Anbietern und den Freebox-Geräten waren Bedenken aufgekommen, doch die Meldung über ein vergleichbares Problem bei Free wurde dementiert. Die ersten verfügbaren Informationen weisen somit auf die Mobilfunkinfrastruktur von Orange als Ursache hin und nicht auf eine allgemeine Störung, die mehrere Netze betrifft, oder auf einen Cyberangriff.
Kunden virtueller Mobilfunkanbieter scheinen verschont geblieben zu sein
Mehrere virtuelle Mobilfunkanbieter nutzen üblicherweise das Netz von Orange, darunter Prixtel, Cdiscount Mobile und NRJ Mobile. Den zum Zeitpunkt der Bilanz verfügbaren Informationen zufolge schienen ihre Kunden nicht in gleicher Weise betroffen gewesen zu sein. Die Störung betraf hauptsächlich Kunden von Orange und Sosh, die sich die Mobilfunkinfrastruktur des Anbieters teilen.
Die unterschiedlichen Auswirkungen auf diese Kunden und auf Kunden von Orange oder Sosh hängen von den Bedingungen der Netznutzung und den betroffenen Diensten ab. In den veröffentlichten Informationen werden die Mechanismen, die das scheinbare Ausbleiben von Störungen bei einigen virtuellen Mobilfunkanbietern erklären könnten, nicht näher erläutert.
Kulanzleistung für betroffene Kunden angekündigt
Nach der Störung kündigte Orange eine Kulanzleistung für betroffene Kunden an. Diese Maßnahme soll die mehrstündige Unterbrechung des Dienstes zumindest teilweise ausgleichen. In den verfügbaren Informationen machte der Anbieter keine näheren Angaben zu den genauen Bedingungen dieser Entschädigung.
Die Störung erinnert daran, wie wichtig das Kernnetz für den täglichen Betrieb von Anrufen, SMS und mobilem Internet ist. Fällt ein zentrales Gerät aus, können die Auswirkungen rasch eine große Zahl von Kunden betreffen, auch wenn ihre Telefone selbst einwandfrei funktionieren.







