«Du, Nur Virtuell» : die App, die Verstorbene auferweckt, sorgt für Besorgnis bei Psychologen

In einer Welt, in der die Technologie ständig die Grenzen verschiebt, bietet ein amerikanisches Start-up namens „You, Only Virtual“ an, digitale Versionen unserer verstorbenen Angehörigen zu rekonstruieren, um Interaktionen mit von künstlicher Intelligenz animierten Avataren zu ermöglichen. Diese Innovation, obwohl faszinierend, wirft viele Bedenken unter Psychologen auf, die vor den psychologischen Folgen warnen, eine künstliche Beziehung zu Verstorbenen aufrechtzuerhalten.

Eine verstörende Technologie

Das Versprechen von „You, Only Virtual“ ist einfach: Es geht darum, die digitalen Spuren, die von den Verstorbenen hinterlassen wurden, wie SMS, Sprachnachrichten oder Nachrichten, in Avatare zu verwandeln, die in der Lage sind, durch künstliche Intelligenz zu kommunizieren. Der Gründer, Justin Harrison, hat diese Technologie persönlich genutzt, um eine virtuelle Version seiner Mutter zu schaffen, die 2020 an Krebs verstorben ist. Die Nutzer können mit diesen Avataren interagieren, Neuigkeiten austauschen und auf verstörende und natürliche Weise Erinnerungen wieder erleben.

Trauer-Roboter

Diese Technologie hat das Konzept der „Trauer-Roboter“ eingeführt, eine Idee aus dem Silicon Valley. Ihre Schöpfer scheinen den Trauerprozess als einfaches Problem zu betrachten, das gelöst werden muss. Die Idee, Verstorbene digital wiederzubeleben, wirft Fragen zur emotionalen Gesundheit der Nutzer auf und darüber, wie sie mit ihrem Kummer umgehen.

Die Bedenken der Psychologen

Viele Psychologen äußern Bedenken hinsichtlich der Implikationen dieser virtuellen Realität. Sie erinnern daran, dass der Trauerprozess nicht darin besteht, die Verstorbenen zu vergessen, sondern zu lernen, mit ihrer Abwesenheit zu leben. Gesunde Trauer erfordert eine persönliche Integration der Erinnerungen an die Verstorbenen, die es ermöglicht, weiterzumachen. Indem sie eine künstliche Präsenz aufrechterhalten, könnten die Nutzer in einer Form von ewiger Bindung gefangen bleiben, die jeglichen Fortschritt zur Akzeptanz des Verlustes verhindert.

Das Risiko, die Erinnerung einzufrieren

Fachleute warnen davor, dass die Nutzung dieser Technologien die Erinnerung an einen geliebten Menschen in einer permanenten Simulation einfrieren könnte. Indem sie den Nutzern nicht erlauben, sich der Realität des Todes zu stellen, könnten sie sich der Reflexion über den Wert des Lebens, das sie verloren haben, und der Erinnerungen, die sie schätzen, berauben. Dieses Paradoxon wirft ethische Fragen darüber auf, wie Technologie genutzt wird, um der Sterblichkeit zu begegnen.

Ähnliche Erfahrungen weltweit

Dieses Konzept, die Verbindung zu den Verstorbenen wiederherzustellen, ist nicht einzigartig für „You, Only Virtual“. In Japan etwa erkundet das Projekt Digital Shaman die Schaffung von Avataren, die darauf abzielen, die Präsenz eines verstorbenen Angehörigen aufrechtzuerhalten. Diese Entwicklungen eröffnen eine notwendige Debatte über die Beziehung, die Gesellschaften zum Trauern und zur Erinnerung an geliebte Menschen haben.

Ein wesentlicher ethischer Streit

Ein unklarer Aspekt ist die Frage des Einverständnisses der Verstorbenen. Wäre es ethisch, eine Person ohne ihre ausdrückliche Zustimmung zu digitalisieren und wiederzubeleben? Die Gesellschaft steht vor moralischen Dilemmata, die zu der Entwicklung von Testamentklauseln führen könnten, in denen festgelegt wird, wie Erinnerungen und Daten unserer Angehörigen nach ihrem Tod behandelt werden sollen.

Einige Diskussionen im juristischen und ethischen Bereich könnten ebenfalls aufkommen, um die Nutzung solcher Anwendungen zu regeln, sei es restriktiv oder im umgekehrten Fall permissiv.

Angesichts des Aufkommens solcher Technologien erscheint es entscheidend, einen kollektiven Dialog zu beginnen, um die Auswirkungen dieser Innovationen auf unsere psychische Gesundheit und unsere Beziehungen zu unseren Verstorbenen zu erörtern.

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